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Freiberufler werden – Teil 4: Vorsorge statt böses Erwachen!

Die Anleitung für den haupt- und nebenberuflichen Start | Von „Berufshaftpflicht“ bis „Vorsorge"

28.07.2016
Robert Chromow – Freiberuflicher Autor
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Berufshaftpflicht

Eine gesetzliche Berufshaftpflicht müssen IT-Dienstleister nicht abschließen. Sie sollten jedoch prüfen, ob Sie einen Schutz gegen Vermögens-, Personen- und Sachschäden brauchen. Je nach Risiko des Tätigkeitsbereichs und gewünschter Versicherungsleistung schlägt eine solche Versicherung für einen IT-Freelancer mit 500 bis 2.000 Euro zu Buche.

Die häufigsten Fragen zur IT-Berufshaftpflicht beantwortet unser Beitrags-Zweiteiler:

Kranken- und Pflegeversicherung

Auch Selbstständige sind verpflichtet, eine Kranken- und Pflegeversicherung abzuschließen. Ob bei einer gesetzlichen Krankenkasse oder einer privaten Krankenversicherung, entscheiden Sie selbst. Anders als bei Arbeitnehmern kommt es dabei nicht auf die Höhe des Einkommens an: Selbstständige dürfen auch bei geringen Einkünften eine private Krankenversicherung (PKV) abschließen. Je nach Alter und Familienstand bzw. Familienplanung ist diese Freiheit aber mit Vorsicht zu genießen:

  • Junge und ledige Freelancer werden von den privaten Krankenversicherern mit günstigen Prämien gelockt. Obligatorische Gesundheitsprüfungen können individuell zu deutlich ungünstigeren Tarifen führen. Beitragsfreie Familienversicherungen gibt es in der PKV auch nicht: Für jedes einzelne Familienmitglied ist später eine separate Prämie fällig.
  • Richtig teuer wird es dann im Alter: Als privat versicherte Ruheständler müssen Sie allein für Ihre Krankenversicherung oft weit über 1.000 Euro pro Monat zahlen – ganz gleich, wie hoch Ihre Rente ist! Selbst wenn Sie schweren Herzens in den gesetzlichen Basistarif einer PKV wechseln, bezahlen Sie für eine Minimalversorgung zurzeit bereits fast 700 Euro!
  • Ab dem 55. Lebensjahr ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nicht oder nur auf trickreichen Umwegen möglich.
  • Wenn Sie als Selbstständiger freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleiben, zahlen Sie den vollen Beitragssatz (= Arbeitgeberanteil plus Arbeitnehmeranteil!) von zurzeit 14,0 Prozent (ohne Krankengeld) bis 14,6 Prozent (mit Krankengeld). Hinzu kommt der Pflegeversicherungs-Beitragssatz in Höhe von derzeit 2,35 Prozent (kinderlose Selbstständige: 2,6 Prozent). Hinzu kommen je nach Krankenkasse Zusatzbeiträge von einem bis zwei Prozent. Zusammengenommen ergibt sich daraus eine Beitragsbelastung von ca. 16,5 Prozent bis 19 Prozent auf das beitragspflichtige Arbeitseinkommen.
  • Zum Arbeitseinkommen zählen gemäß § 15 SGB IV neben dem steuerpflichtigen Gewinn aus der selbstständigen Tätigkeit sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung. Da die Einkünfte von Selbstständigen schwanken, werden die laufenden Beiträge auf Basis des Einkommensteuerbescheids des Vorjahres jeweils für die Zukunft berechnet.
  • Rückwirkende Beitragsanpassungen erfolgen nur, wenn ein vorläufiger Beitragsbescheid ergangen ist. Das ist zum Beispiel im ersten Geschäftsjahr der Fall.
  • Mangels konkreter Anhaltspunkte werden die Beiträge zunächst auf Grundlage eines fiktiven Durchschnittsgehaltes berechnet:
  • Gedeckelt ist der Beitrag freiwilliger Mitglieder zur GKV durch die Beitragsbemessungsgrenze, die im Jahr 2016 bei 4.237,50 Euro pro Monat liegt. Das ist zugleich die „Regelbemessungsgrundlage“ für hauptberuflich Selbstständige. Bei einem Beitragssatz von zum Beispiel 17,5 Prozent ergibt sich daraus ein monatlicher Höchstbeitrag in der Kranken- und Pflegeversicherung von rund 740 Euro.
  • Die Mindestbemessungsgrundlage für hauptberuflich Selbstständige beträgt 50 Prozent der Regelbemessungsgrundlage: Bei angenommenen Beitragssatz von 17,5 Prozent entspricht das einem monatlichen Mindestbeitrag von ca. 370 Euro.

Liegen die beitragspflichtigen Einnahmen nachweislich unter 2.178,50 Euro, kann die Mindestbemessungsgrundlage im Rahmen einer Härtefallregelung auf 1.452,50 Euro gesenkt werden. Bei einem Beitragssatz von 17,5 Prozent ergibt das einen Minimalbeitrag von rund 255 Euro.

Unfallversicherung und Altersvorsorge

Auch wenn der Ruhestand noch in weiter Ferne liegt: Als IT-Freelancer dürfen Sie die Vorsorge für Alter, Unfallfolgen und Invalidität nicht vernachlässigen. Die Vorsorgeaufwendungen müssen von vornherein in die Honorarkalkulation mit einfließen. Da Sie von der Verwertung Ihrer eigenen Arbeitskraft leben, sind zudem eine berufliche Unfallversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar:

  • Für beruflichen Unfallversicherungsschutz können Sie bereits mit vergleichsweise geringen jährlichen Prämien sorgen. Unter Umständen lohnt sich sogar die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Unfallversicherung: Die Leistungen der sogenannten Berufsgenossenschaften sind nicht nur für Arbeitnehmer interessant. Ansprechpartner für IT-Selbstständige sind die Verwaltungsberufsgenossenschaften (VBG).
  • Im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nur noch für die Jahrgänge 1960 und älter. Jüngere Menschen, die bereits Rentenansprüche erworben haben, können bei „verminderter Erwerbsfähigkeit“ nur mit vergleichsweise geringen Rentenleistungen rechnen. In der Regel führt daher kein Weg an einer zusätzlichen privaten Berufsunfähigkeitsversicherung vorbei. Das kann als Zusatzvertrag im Rahmen einer Kapitallebensversicherung oder als separate BU-Versicherung geschehen. Mithilfe von Online-Vergleichsrechnern wie Check24 oder Verivox können Sie sich einen Eindruck verschaffen, mit welchen Preisen und Leistungen Sie rechnen müssen. Weitere Informationen bietet die Stiftung Warentest: „Berufsunfähigkeit: So sichern Sie Ihr Arbeitseinkommen ab“.
  • Wenn Sie eine/n Partner/in oder gar eine Familie (mit)ernähren müssen, ist eine Risikolebensversicherung sinnvoll. Dabei handelt es sich um einen reinen Todesfallschutz: Mit vergleichsweise geringen Jahresprämien sind Ihre Hinterbliebenen im Fall Ihres Todes fürs Erste zumindest einigermaßen abgesichert.
  • Für ihr eigenes Alter haben Selbstständige früher üblicherweise mit Kapitallebensversicherungen vorgesorgt. Die meisten Experten warnen derzeit jedoch davor, Neuverträge abzuschließen. Auch fondsgebundene Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen gelten gegenwärtig als wenig lohnend.
  • Die lange totgesagte gesetzliche Rentenversicherung erlebt hingegen angesichts minimaler Verzinsungen von Kapitallebensversicherungen und anderen Anlageformen zurzeit eine unverhoffte Renaissance: Mit freiwilligen Rentenbeiträgen können Selbstständige Rentenansprüche erwerben und bereits vorhandene Ansprüche erhöhen. Angesichts magerer Marktzinsen ist die gegenwärtige Verzinsung von zwei bis drei Prozent pro Jahr vergleichsweise attraktiv. Informationen über freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bietet eine DRV-Broschüre.
  • Auch mit der „Basisrente“, auch bekannt als Rürup-Rente, können IT-Selbstständige vergleichsweise gut fürs Alter vorsorgen – und dabei Steuern sparen. Verschiedene Angebote für Rürup-Rentenversicherungen hat Finanztest untersucht: „Rürup-Rente im Test: Altersvorsorge für Selbstständige mit Steuerkick“.
  • Nicht zu vergessen: Eine gerade für jüngere Selbstständige sinnvolle Alternative zur konventionellen Altersvorsorge mit Rentenbeiträgen und Kapitallebensversicherungen sind selbst genutzte Immobilien („Betongold“). Durch Investitionen in die Anschaffung und Instandhaltung eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung sparen Sie sich Finanzierungskosten, deren Zinssätze nach wie vor deutlich über den Habenzinsen aus alternativen Anlageformen liegen.

Wenn Sie sich einen Überblick verschaffen wollen, wie es um Ihren privaten Versicherungsschutz aussieht, lohnt sich ein Blick auf den Versicherungscheck der Stiftung Warentest.

Fazit & Ausblick

Sie wollen immer noch Freiberufler werden? Willkommen im Club!

Der Start in die Selbstständigkeit ist für IT-Fachleute tatsächlich einfacher als oft vermutet. Zumal mit Unterstützung bewährter Projektplattformen wie GULP. Trotzdem gibt es eine Menge zu bedenken. Mit diesem Leitfaden haben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen und weiterführende Informationsangebote für angehende IT-Freelancer geben. Wie ist Ihr Eindruck: Fehlen Ihnen Informationen und Hinweise? Welche Erfahrungen haben Sie selbst gesammelt? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen und Anregungen

 

 

Robert Chromow ist gelernter Industriekaufmann, Betriebswirt und Politikwissenschaftler. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als Berater, freiberuflicher Journalist und Autor im eigenen Redaktionsbüro. Print- und Online-Medien geben bei ihm Fach- und Serviceartikel in Auftrag. Außerdem schreibt er Software-Handbücher, Webtexte und Newsletter für Unternehmen.

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...wurde von Beiträgen in unserem Forum inspiriert. Dort wurden einem Interessierten viele Fragen zum Start in die Freiberuflichkeit beantwortet. Danke an die Freiberufler, die hier so ausführlich mit Rat beseitestanden!

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